Eine der häufigsten Fragen unserer Kundinnen und Kunden – und eine, bei der wir ehrlich sein müssen.
Kaum eine Bitte hören wir im Store so oft wie diese: „Können Sie die Kratzer aus meinen Gläsern nicht einfach herauspolieren?” Der Wunsch ist absolut verständlich – eine liebgewonnene Brille oder die teure Lieblingssonnenbrille möchte man nicht wegen ein paar Schrammen aufgeben. Und im Netz kursieren unzählige Tipps, die genau das versprechen.
Wir nehmen die Antwort vorweg, weil Ehrlichkeit für uns seit 1832 zum Handwerk gehört: Nein, Kratzer lassen sich aus Brillengläsern nicht herauspolieren. Weder mit Hausmitteln noch mit professionellem Gerät. Warum das so ist – und was tatsächlich hilft – erklären wir Ihnen hier in Ruhe.
Die kurze, ehrliche Antwort vorweg
Ein Brillenglas ist kein lackiertes Autoblech und kein Handydisplay. Bei Auto und Smartphone kann eine Politur eine oberflächliche Schramme tatsächlich kaschieren. Ein modernes Brillenglas funktioniert grundlegend anders – und genau das macht das Wegpolieren unmöglich. Wer es trotzdem versucht, macht das Glas in aller Regel schlechter, nicht besser.
Polieren glättet diese Kanten nicht, sondern reibt rundherum weiteres Material weg und erzeugt dabei meist neue, feine Schleifspuren. Die Lichtstreuung verschwindet nicht – sie verteilt sich nur. Die Sicht wird dadurch nicht besser, sondern flächiger getrübt.

Warum Hausmittel das Problem nur verschlimmern
Im Internet liest man immer wieder von vermeintlichen Geheimtipps: Zahnpasta, Backpulver, Silber- oder Messingpolitur, Autowachs oder gar Glasätzcreme. Bitte lassen Sie unbedingt die Finger davon. Diese Mittel haben eines gemeinsam: Sie enthalten feinste Schleifpartikel oder aggressive Substanzen.
Das passiert dabei in der Praxis:
- Zahnpasta, Back- und Scheuerpulver wirken wie feines Schmirgelpapier und ziehen unzählige neue Mikrokratzer ins Glas.
- Auto- und Möbelpolituren hinterlassen hartnäckige Schlieren, die sich kaum noch entfernen lassen.
- Ätzende Mittel lösen die Beschichtung an und zerstören die Veredelungsschichten flächig.
Was als Rettungsversuch beginnt, endet fast immer mit einem Glas, das endgültig getauscht werden muss – nur dass es jetzt zusätzlich verschmiert oder großflächig zerkratzt ist.
Und die Fassung? Hier sieht es tatsächlich anders aus
Eine wichtige Unterscheidung, die oft untergeht: Während wir die Gläser nicht aufpolieren können, lassen sich kleine Schrammen an der Fassung durchaus oft behandeln. Eine matte oder leicht zerkratzte Acetatfassung können wir in vielen Fällen wieder zum Glänzen bringen, weil hier kein optisch wirksames Schichtsystem im Spiel ist. Bringen Sie Ihre Brille einfach vorbei – wir schauen uns Fassung und Gläser gemeinsam an und sagen Ihnen ehrlich, was möglich ist.
Was wirklich hilft: Neue Gläser statt neuer Brille
Die gute Nachricht: Zerkratzte Gläser bedeuten nicht automatisch eine komplett neue Brille. In den allermeisten Fällen können wir Ihre vorhandene und liebgewonnene Fassung weiterverwenden und einfach neue Gläser anfertigen und einsetzen – exakt auf Ihre aktuelle Sehstärke abgestimmt.
Das ist nicht nur die optisch saubere, sondern oft auch die nachhaltigere und günstigere Lösung, als eine vollständige neue Brille zu kaufen. Und Sie behalten das Gestell, das Ihnen ohnehin am besten steht. Ein guter Moment ist das übrigens auch, um über eine besonders kratzfeste Hartschicht oder eine hochwertige Entspiegelung nachzudenken – damit die neuen Gläser von Anfang an besser geschützt sind.

So vermeiden Sie Kratzer von vornherein
Der beste Kratzer ist der, der gar nicht erst entsteht. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten halten Ihre Gläser deutlich länger schön:
- Niemals trocken putzen. Staub- und Sandkörner wirken auf der trockenen Oberfläche wie Schleifpapier. Erst mit klarem Wasser abspülen, dann mit einem Tropfen Spülmittel (simpel, nicht mit Zusätzen versehen) einschäumen und unter fliesendem kalten Wasser abspülen. Hier spürt man, sobald das Spülmittel nicht mehr vorhanden ist und schlussendlich mit einem sauberen weichen Baumwolltuch oder super soften Kosmetiktüchern trocknen.
- Kein T-Shirt, kein Taschentuch, kein Küchenpapier. Diese Stoffe sind zu rau und enthalten oft kleine Partikel wie z.B. Holzfasern.
- Brille immer im Etui aufbewahren – und niemals mit den Gläsern nach unten ablegen.
- Reinigungstücher und ein passendes Etui bekommen Sie bei uns; gerne reinigen wir Ihre Brille auch professionell im Ultraschallbad.
Fazit
So gern wir Ihnen die Arbeit abnehmen würden: Kratzer aus Brillengläsern oder Sonnenbrillen herauszupolieren, ist technisch nicht möglich – weder bei uns noch mit Hausmitteln. Die feinen Veredelungsschichten, die exakt berechnete Sehstärke und die Lichtstreuung der Kratzer lassen es schlicht nicht zu. Ehrlich gesagt würden wir Ihnen mit einem solchen Versuch eher schaden als helfen.
Was wir dagegen gerne tun: Ihre Brille begutachten, die Fassung aufarbeiten, wo es geht, und Ihnen neue, perfekt sitzende Gläser für Ihr vorhandenes Gestell anfertigen. Kommen Sie einfach bei uns in Würzburg vorbei – wir beraten Sie ehrlich und finden die beste Lösung für klare Sicht.
Kresinsky · Augenoptiker in Würzburg seit 1832
